Sinfoniekonzert 1 (Mischa Maisky)

Freitag, 24. März 2017, 19.30 Uhr
Sinfoniekonzert Zakhar Bron Festival Orchestra
Leitung: Benjamin Yusupov
Solisten: Mischa Maisky, Violoncello und Zakhar Bron, Violine
Ort: Kursaal Interlaken, Theatersaal

TIPP
Konzerteinführung
durch SchülerInnen des Gymnasiums Interlaken um 18.30 Uhr im Konzertsaal



KONZERTPROGRAMM

Mozart Sinfonia Concertante Es-Dur, KV 364, 2. Satz «Andante»
Solisten: Mischa Maisky, Violoncello und Zakhar Bron, Violine
Bruch Kol Nidrei op. 47
Solist: Mischa Maisky, Violoncello
Tschaikowski Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester op. 33
            Moderato assai quasi Andante
            Thema. Moderato simplice
            Variazione I. Tempo della Thema
            Variazione II. Tempo della Thema
            Variazione III. Andante sostenuto
            Variazione IV. Andante grazioso
            Variazione V. Allegro moderato
            Variazione VI. Andante
            Variazione VII e Coda. Allegro vivo
Solist: Mischa Maisky, Violoncello
****
Yusupov What I wished for  (lustiges, virtuoses Stück)
Mahler Adagietto für Streichorchester (aus der 5. Sinfonie)
Dvorak Serenade für Streichorchester E-Dur, op. 22
            Moderato
            Menuetto. Allegro con moto
            Scherzo. Vivace
            Larghetto
            Finale. Allegro vivace   

Konzertdauer: ca. 1 Std. 40 Min., inklusive Pause
Eintrittspreise: CHF 95.- / 75.- / 50.-, nummerierte Plätze





KÜNSTLER



MISCHA MAISKY wurde 1963 am Moskauer Konservatorium in die Meisterklasse von Mstislaw Rostropowitsch aufgenommen. 1966 gewann er beim internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau den sechsten Preis. 1970 wurde Maisky zu zwei Jahren Arbeitslager verurteilt, vermutlich weil seine Schwester im Jahr zuvor nach Israel ins Exil gegangen war. Ein befreundeter Arzt überwies ihn in eine Nervenheilanstalt, da dies für ihn die einzige Möglichkeit gewesen war, nach seiner Haft der Armee zu entkommen. Dank eines Freikaufs durch einen US-amerikanischen Gönner emigrierte er im Winter 1972 ebenfalls nach Israel und verlegte dann seinen Wohnsitz nach Brüssel. 1973 gewann er die Gaspar Cassadó International Cello Competition in Florenz. Im gleichen Jahr gab er sein Debüt in der Carnegie Hall mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von William Steinberg. Auf Vermittlung von Rostropowitsch wurde Maisky 1974 Meisterschüler von Gregor Piatigorsky. Vier Monate lang spielte und redete er fast jeden Tag mit Piatigorsky, während dies bei Rostropovich nur zwischen dessen Tourneeauftritten möglich war. Er ist damit der einzige Cellist, der bei Rostropovich und bei Piatigorsky Unterricht genommen hat.
1976 trat er zum ersten Mal in London auf. 1982 begann die Zusammenarbeit mit der Deutschen Grammophon. Die erste Aufnahme war das Doppelkonzert für Cello und Geige von Brahms, das er mit Gidon Kremer und den Wiener Philharmonikern unter Leonard Bernsteins Leitung einspielte. Es folgte 1985 eine Aufnahme von Bachs Cellosuiten. 1992 trat er zum ersten Mal bei den Londoner Proms auf, im Jahr darauf mit Martha Argerich bei den Salzburger Festspielen. Mischa Maisky ist heute einer der führenden Cellisten und auf den großen internationalen Konzertbühnen zu Hause. Seine bevorzugten kammermusikalischen Partner sind Martha Argerich, Radu Lupu und Malcolm Frager.
 
Seit seiner Emigration spielt er immer nur auf demselben Instrument, einem Montagnana-Cello. Maisky orientiert sich nicht an der historischen Aufführungspraxis, denn er zählt sich zu den „Romantikern“ unter den Cellisten und sucht daher so oft wie möglich die emotionale Intensität einer Konzertaufführung auf.
2000 gab der gebürtige Lette über hundert Konzerte mit Bach-Werken in aller Welt. Darunter war auch das Projekt Bach-Marathon in Zürich, bei dem er sämtliche Cello-Werke von Bach an einem Tag in drei aufeinander folgenden Konzerten präsentierte.





BENJAMIN YUSUPOV studierte am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium Klavier, Komposition, Musiktheorie und Dirigieren. Viele seiner Kompositionen werden von bedeutenden Orchestern gespielt. Am 10. Januar 2008 wurde sein Cellokonzert vom lettischen Cellisten Mischa Maisky, an dessen 60. Geburtstag, in Luzern uraufgeführt. Für Vadim Repin schrieb Yusupov 2013 sein 2. Violinkonzert, «Voices of Violin», dessen Uraufführung er – wie jene mit Maisky – selber dirigierte.





WERKE

Kol Nidrei sind die beiden ersten Worte des liturgischen Texts, der bei einer Andacht am Vorabend des Jom-Kippur-Festes rezitiert wird. Er habe, schrieb Max Bruch von Berlin aus nach Hause, «viel mit den Kindern Israels zu tun, wodurch er auch mit jüdischen Gebräuchen und Melodien bekannt geworden sei». Für seine Komposition für Violoncello mit Orchesterbegleitung nahm Bruch zwei alte hebräische Melodien, die er in Berlin kennengelernt hatte, zur Grundlage. Im zweiten Teil des Werks setzte er zusätzlich zu den hebräischen Themen noch eine Melodie des englischen Komponisten jüdischer Herkunft, Isaac Nathan, ein, der 1864 verstorben war. Die Uraufführung des Werkes fand im Jahre 1880 in Liverpool statt, wo Bruch neu die Leitung der «Philharmonic Society» übernommen hatte. Drei Jahre später schrieb Bruch in einem Brief an einen Freund, der Erfolg des Kol Nidrei sei gesichert gewesen, «da alle Juden eo ipso dafür sind».
 
Mit Solokonzerten tat sich Peter Tschaikowsky schwer, und noch schwerer fiel es den vom Komponisten auserwählten Solisten, das neue Werk zu spielen. Sein erstes Klavierkonzert galt als langweilig und schwer spielbar, sein Violinkonzert erklärten berühmte Geiger als unspielbar, sein zweites Klavierkonzert empfanden Pianisten als viel zu lang, was Alexander Siloti veranlasste, eine konzerttaugliche Kurzfassung herzustellen – und auch die Rokoko-Variationen, die er zwischen 1876 und 1877 schrieb und seinem Freund, dem Cellisten Wilhelm Fitzenhagen widmete, erlitten beinahe das gleiche Schicksal. Fitzenhagen griff beherzt in die Komposition ein, änderte massiv und fügte Stellen ein, die sein Instrument im besten Licht erscheinen liessen. Selbstverständlich kamen auch hochvirtuose Passagen hinzu, in denen der Solist sein technisches Können zeigen konnte. Am 30. November 1877 brachte Fitzenhagen die Variationen unter der Leitung von Nikolai Rubinstein erstmals zur Aufführung. Danach nahm er sie mit auf seine Konzertreisen und sorgte dafür, dass sie in ganz Europa bekannt wurden. Heute gelten sie als eines der eindrücklichsten Werke dieser Gattung.
 
«Wir leben heute in einer Welt, in der die unterschiedlichsten Kulturen durch verschiedenartige Medien und Kommunikationsmittel verbreitet werden», sagte Benjamin Yusupov in einem Interview. «So kann man entweder in einer individuell bevorzugten musikalischen Kultur verharren, oder aber man versucht, alle Arten von Musik, die einen umgeben, miteinander in Einklang zu bringen. Eine solche Synthese findet mein grösstes Interesse. Ich glaube, Komposition im 21. Jahrhundert sollte integrativ und ‹allwissend› die gesamte Bandbreite der Musik zu einer gemeinsamen Sprache verschmelzen. Zusammen mit den beinahe unbegrenzten klanglichen Möglichkeiten eines sinfonischen Orchesters war dies für mich die wesentliche Motivation, ein Konzert im 21. Jahrhundert zu schreiben. Ich möchte eine Globalisierung beschreiben. Ich schätze jede Kultur und verarbeite alle gleichberechtigt.» So kann man denn in Yusupovs Kompositionen sehr gut hören, wie er aus dem Jazz, aus afrikanischer Musik, aus fernöstlichen oder arabischen Klängen und Klezmermelodien schöpft.
Für den Solisten des heutigen Abends, Mischa Maisky, schrieb Yusupov ein Cellokonzert, das am 60. Geburtstag Maiskys unter der Leitung des Komponisten in Luzern uraufgeführt wurde. Vor drei Jahren entstand noch einmal ein Konzert für einen bedeutenden Interpreten: Für den Geiger Vadim Repin schrieb Yusupov sein zweites Violinkonzert mit dem Titel «Voices of Violin».
 
Für die grosse Bekanntheit des Adagietto aus der fünften Sinfonie von Gustav Mahler sorgte Luchino Viscontis Film «Tod in Venedig», der vor immerhin 45 Jahren in die Kinos kam. Der Film mag etwas von seinem Ruhm verloren haben, die Titelmelodie, eben jenes Adagietto, ist jedoch im kollektiven Gedächtnis geblieben. Der wunderbare langsame Satz wird heute oft als eigenständiger Programmpunkt in ein Konzertprogramm aufgenommen, während es die ganze fünfte Sinfonie schon viel schwerer hat, aufgeführt zu werden. «Niemand versteht meine fünfte Sinfonie», schrieb Mahler entnervt noch kurze Zeit vor seinem Tod. Davon kann heute keine Rede mehr sein.
Visconti liess Mahlers Orchesterwerk mit Bildern des schwitzenden und sterbenden Hauptdarstellers Aschenbach im Liegestuhl am Lido von Venedig überlagern. Damit wollte er auch darauf anspielen, dass Mahler selber genau zu der Zeit, als er am Adagietto arbeitete, dabei war, seine grösste Lebenskrise und seinen gesundheitlichen Zusammenbruch zu überwinden.
 
Antonín Dvořák war frisch verheiratet, man erwartete das erste Kind, als Organist verdiente er sein Leben mehr schlecht als recht. Darum bewarb sich der Komponist um ein staatliches Stipendium. Die Jury, in der unter anderen Johannes Brahms sass, sprach dem bislang wenig bekannten Komponisten das höchstmögliche Stipendium zu, zusammen mit einem kräftigen Lob für die eingereichten Arbeiten des jungen Künstlers. Mit jugendlichem Schwung und voller Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft schrieb Dvořák, nachdem ihm die Neuigkeit überbracht worden war, im Zeitraum von nur elf Tagen die Serenade op. 22, bei der man beim Zuhören seine überschäumende Freude über den Erhalt dieses Stipendiums geradezu mitempfindet. Auf diese Serenade folgten in kurzen Abständen weitere Kompositionen, mit denen sich Dvořák einen Platz in der ersten Reihe der tschechischen Komponisten errang: die berühmten Slawischen Tänze op. 46 und die Serenade für Blasinstrumente op. 44.


 
Veranstaltungs Informationen
Datum 24.03.2017 - 24.03.2017 - 19:30 bis 21:30 Uhr
Kategorie Interlaken Classics 2017 
Anhang  
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Ort

Congress Centre Kursaal Interlaken
Strandbadstrasse 44
3800 Interlaken
Schweiz

Gastgeber

Interlaken Classics
Obere Bönigstrasse 17
3800 Interlaken